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06.09.2010

"Auf den zweiten Blick" im Dortmunder U

Ruhr-Universität-Bochum / Foto: Georg Knoll

Ruhr-Universität-Bochum / Foto: Georg Knoll

"Auf den zweiten Blick. Architektur der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen" öffnet die Türen vom 25. September bis zum 9. November. Die Ausstellung der TU Dortmund thematisiert die Baugeschichte der Region. Dabei wird die besonders spannende und kontroverse Epoche der Wiederaufbauzeit an Hand von 20 überraschenden Beispielen dargestellt: 20 besondere Geschichten, die eine Liebe "auf den zweiten Blick" entfachen können.

Die Architektur der Nachkriegszeit prägt die Städte in Nordrhein-Westfalen, doch die in die Jahre gekommenen Bauten werden kaum mehr geschätzt. Häufig ist der Erhaltungszustand schlecht, viele Bauwerke sind zudem durch Um-bauten so entstellt, dass selbst ein geübtes Auge Mühe hat, Qualitäten ausfindig zu machen. Die Architektur der 1950er, 60er und 70er Jahre ist vielen Menschen erklärungsbedürftig geworden.

So wird nachvollziehbar wie etwa eine innovative Konstruktionsweise den Entwurf prägte oder soziale Ansprüche in Beton gegossen wurden. Ein Bauwerk hat eine besondere Bedeutung in der Biographie des Architekten, und ein anderes steht heute als Ergebnis einer jahrelangen öffentlichen Debatte um seine Nutzung vor uns. 20 kleine "Architekturgeschichten" eröffnen so einen neuen Blick auf eine allgemein unterschätzte Architekturepoche. Die Zusammenschau der verschiedenen "Geschichten" eröffnet zugleich die Bandbreite möglicher Lesarten von Architektur. Unter den portraitierten Bauwerken finden sich Kirchen, öffentliche Bauten, Bürohäuser und Wohnbauten in unterschiedlichem Maßstab und von unterschiedlichem Bekanntheitsgrad. Einige kaum bekannte Projekte aus den Beständen des A:AI Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst NRW an der TU Dortmund werden erstmals präsentiert. Leihgaben aus Architektursammlungen in Frankfurt, Köln und München verdeutlichen die überregionale Bedeutung und künstlerische Qualität ausgewählter Bauten. Dokumente aus privaten Sammlungen und kommunalen Archiven verorten die Bauwerke in einem Kontext, der über den üblichen Rahmen des Faches hinaus reicht.

Für die Visualisierung des alltäglichen Blicks auf die ausgewählten Bauten konnte der Berliner Fotograf Georg Knoll gewonnen werden. Er hat alle Bauwerke in ihrem heutigen Zustand dokumentiert. Entstanden ist ein Kaleidoskop ungeschönter wie faszinierender Alltagsrealität.

Das Projekt ist aus einer Lehrveranstaltung hervorgegangen und hat sich zu einem zweijährigen Forschungsvorhaben erwachsen, in das zahlreiche Wissenschaftler eingebunden waren. In Zusammenarbeit mit Studierenden wurden die Bauten vor Ort begutachtet und archivalisch erforscht. Im Unterschied zur Architektur anderer Epochen konnte noch eine Reihe von Zeitzeugen interviewt werden.

Die Ausstellungsarchitektur wurde von Studierenden in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion, Prof. Paul Kahlfeldt, unter Betreuung von Charlotte Hopf entworfen und realisiert. Das Projekt ist damit Ausdruck der Vernetzung von Forschung, Lehre und Entwurf an der TU Dortmund.

 

"Auf den zweiten Blick. Architektur der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen"
Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund
dienstags–sonntags 11-18 Uhr
(von 25.9. bis 7.10. eingeschränkte Öffnungszeiten donnerstags–sonntags 14–18 Uhr)


Weitere Informationen:
Projektseite Dortmunder U
Webseite der TU Dortmund